Schlechtes Ansprechverhalten WP 4860

      Schlechtes Ansprechverhalten WP 4860

      Servus,

      ich habe Probleme mit meiner WP- Gabel 4860. In erster Linie ist das Ansprechverhalten hundsmiserabel. Das Motorrad ist gebraucht und der Vorbesitzer war ca. 25 kg schwerer wie ich.
      Die Gabel lief schlecht und ich hab sie überarbeiten lassen, zurück kam sie besser aber immer noch nicht gut. Der zweite Versuch des Gabel- Profis ging völlig in die Hose, er hatte deutlich zuviel Öl eingefüllt. Mit 10 ml weniger lief sie wieder halbwegs.

      Jetzt hab ich mich entschlossen der Sache auf den Grund zu gehen und hab sie demontiert. Wider Erwarten war Öl, Simmerringe und Gleitringe in einem tadellosen Zustand. Die Simmerringe sind von SKF und die Teflonbeschichtung der Ringe ist quasi neuwertig. Trotzdem spricht die Gabel auf kleinere Unebenheiten schlecht an und hat ein hohen Losbrechmoment. Jetzt bin ich dabei die Gleitrohre zu polieren die auch bei der Demontage ansich tadellos aussahen.

      Ich vermute es macht wenig Sinn neue Simmerringe und Gleitbuchsen zu verbauen wenn die alten kaum verschlissen sind. Was kann ich außer dem polieren der Gleitrohre an der Hardware überarbeiten um das Ansprechverhalten signifikant zu verbessern ?
      Gabelbrücke und Achse ist kontrolliert, die Achse konnte ich mit der Hand durchstecken und abgesehen vom schlechtem Ansprechverhalte arbeitet die Gabel völlig normal.
      Ich hatte schon mal ne verbogene Gabel, die hat sich anders angefühlt.

      Wenn ich Kriechöl an die Gleitrohre sprühe spricht sie sofort spürbar besser an, nach ein paar mal einfedern wird das Ansprechverhalten aber schnell wieder schlechter.
      Momentan fahre ich mit komplett offener Druckstufe, wenn ich die Druckstufe ein paar Klicks zudrehe verschlechtert sich das Ansprechverhalten weiter.
      Die 4860 kann die CC oder OC Gabel sein. Wenn es mit Kriechöl kurzzeitig besser ist, würde ich vermuten das etwas mit den Simmerringen nicht stimmt ( 47 mm Ringe von einer Showa?) bzw. günstge Buchsen verbaut sind und die zuviel Spiel haben. Dadurch kantet die Gabel und der punktuelle Druck auf den Siri wird erhöht. Kriechöl verringert die Reibung kurzfristig.

      Die Gleitrohre zu polieren ist keine gute Idee. Diese müssen eine"raue" Oberfläche aufweisen damit sich ein Ölfilm bilden kann und nicht gleich vom Siri abgestriffen wird. Am besten mit Schleifwolle (600 Körnung) auf der Drehbank "honen". Geht auch per Hand, aber wichtig dabei ist nicht in Arbeitsrichtung des Gleitrohrs schleifen. Immer quer dazu.
      GSNO Geländesport Nordost

      wuddy-ktm schrieb:


      Die Gleitrohre zu polieren ist keine gute Idee. Diese müssen eine"raue" Oberfläche aufweisen damit sich ein Ölfilm bilden kann und nicht gleich vom Siri abgestriffen wird.


      Stimme ich zwar in der Theorie zu, aber schwarz beschichtete (innere)Rohre haben eine spiegelnde Oberfläche und laufen definitiv leichter als die normal verchromten (mit "Schliffbild")

      PS:
      Ich würde bei der Gabel Simmeringe und Buchsen neu machen und auf die bekannten Hersteller zurückgreifen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Steve-o“ ()

      Nicht fundiertes, nur Vermutungen:

      Warum Chrom oder Kohlenstoffbeschichtung?
      Problem bei sich zwei berührenden Materialien ist die Haft- und Gĺeitreibung. Neben dem gewählten Material, ist die sich berührende Oberfläche ausschlaggebend. Bei diesen Beschichtungen ist die Oberfläche rau. Es gibt winzige Erhebungen. Nur die Spitze dieser Erhebungen berührt das zweite Material. Die sich berührende Oberfläche ist sehr klein. Nächster Vorteil, Schmierstoff kann sich in den Tälern ansammeln und reduziert die Reibung zusätzlich. Eine Kohlenstoffbeschichtung hat noch kleinere Erhebungen( bzw. Spitzen dieser ) wie Chrom = weniger Oberfläche. Wird die Chromschicht poliert, werden die Spitzen abgeflacht und die Oberfläche erhöht.
      GSNO Geländesport Nordost

      wuddy-ktm schrieb:

      Die Gleitrohre zu polieren ist keine gute Idee. Diese müssen eine"raue" Oberfläche aufweisen damit sich ein Ölfilm bilden kann und nicht gleich vom Siri abgestriffen wird. Am besten mit Schleifwolle (600 Körnung) auf der Drehbank "honen". Geht auch per Hand, aber wichtig dabei ist nicht in Arbeitsrichtung des Gleitrohrs schleifen. Immer quer dazu.

      ohje...
      manchmal haust du hier Sachen raus, da kann man nur den Kopf schütteln.

      @Christ 32 wie stellst du das schlechte Ansprechverhalten fest? z.B. beim Fahren, im Stand beim runterdrücken, etc pp ?
      und so am Rande:
      z.B. falsch eingestellter Durchhang am Dämpfer kann auch zu schlechtem Ansprechverhalten der Gabel führen.
      Probleme mit dem Fahrwerk? Fahr' schneller!

      Ich bin Bayer und damit von Haus aus schon mal viel cooler als du.

      frezno schrieb:

      wuddy-ktm schrieb:

      Die Gleitrohre zu polieren ist keine gute Idee. Diese müssen eine"raue" Oberfläche aufweisen damit sich ein Ölfilm bilden kann und nicht gleich vom Siri abgestriffen wird. Am besten mit Schleifwolle (600 Körnung) auf der Drehbank "honen". Geht auch per Hand, aber wichtig dabei ist nicht in Arbeitsrichtung des Gleitrohrs schleifen. Immer quer dazu.

      ohje...
      manchmal haust du hier Sachen raus, da kann man nur den Kopf schütteln.
      .


      Warum?
      GSNO Geländesport Nordost

      Christ 32 schrieb:

      Servus,

      ich habe Probleme mit meiner WP- Gabel 4860. In erster Linie ist das Ansprechverhalten hundsmiserabel. Das Motorrad ist gebraucht und der Vorbesitzer war ca. 25 kg schwerer wie ich.
      Die Gabel lief schlecht und ich hab sie überarbeiten lassen, zurück kam sie besser aber immer noch nicht gut. Der zweite Versuch des Gabel- Profis ging völlig in die Hose, er hatte deutlich zuviel Öl eingefüllt. Mit 10 ml weniger lief sie wieder halbwegs.

      Jetzt hab ich mich entschlossen der Sache auf den Grund zu gehen und hab sie demontiert. Wider Erwarten war Öl, Simmerringe und Gleitringe in einem tadellosen Zustand. Die Simmerringe sind von SKF und die Teflonbeschichtung der Ringe ist quasi neuwertig. Trotzdem spricht die Gabel auf kleinere Unebenheiten schlecht an und hat ein hohen Losbrechmoment. Jetzt bin ich dabei die Gleitrohre zu polieren die auch bei der Demontage ansich tadellos aussahen.

      Ich vermute es macht wenig Sinn neue Simmerringe und Gleitbuchsen zu verbauen wenn die alten kaum verschlissen sind. Was kann ich außer dem polieren der Gleitrohre an der Hardware überarbeiten um das Ansprechverhalten signifikant zu verbessern ?
      10 ml Öl ablassen scheint mir aber zu wenig um schon großartig was im betrieb zu merken...
      Aufbringen von Kreuzschliff auf Gabelrohre und Kolbenstangen ist doch gängige Praxis und wird von den Herstellern doch schon ab Werk gemacht.
      Was solld enn daran blödsinn sein?
      Wenn der Chrom schon glatt ist kann das aufbringen von Kreuzschliff durchaus solange Abhilfe schaffen bis die Chromschicht endgültig zu dünn wird oder das Rohr/ die Stange zu viel untermaß haben.
      @ frezno

      das schlechte Ansprechen merkt man generell, im Stand oder beim fahren. Aber auch im ausgebauten Zustand, den Gabelholm auf den Boden stellen und von oben leicht drücken. Wenn die Gabel ein stück eingefedert ist, den Druck halten und danach verstärken. Selbst dann merkt man ein hohes Losbrechmoment. Der Durchhang etc. ist alles optimal eingestellt.

      @ latan

      wieviel es genau waren weis ich nicht mehr, auf jeden Fall war kein Unterschied mit dem ändern der Vorspannung mehr zu spüren. Nachdem ich (ich glaube es waren) ca. 10 ml pro Holm abgelassen habe merkte man die Änderung der Federvorspannung zumindest wieder. Ich hatte dann nochmalig die selbe Menge abgelassen, was aber keinen Unterschied machte. Also habe ich wieder aufgefüllt.

      Es ist die Seriengabel einer 450 EXC von 2008, also 48 mm open cartrige.
      Die Simmeringe sind SKF 48 x 57 . 9x9 und die Buchsen R11C 2F scheinen sowohl zu passen und sehen auch hochwertig aus

      Die Gleitrohre zu polieren empfiehlt quasi jeder, hohnen und Kreuzschliff macht man i.d.R. Innen und dass werde ich wohl auch an den Standrohren machen.

      Kann man die Gabel den noch an den Innereien tunen, also shims etc. oder bringt das nix ?

      Man sagt WP ja ne große Serienstreuung nach und da könnte ich mir vorstellen das die jeweiligen Toleranzen der Bauteile möglicherweise ungünstig sind, wie Chromschicht zu dick und Buchse zu eng etc.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Christ 32“ ()

      ok, verstehe, @Christ 32
      wenn das Problem auch bei ausgebauter Gabel besteht, dann wird's schwieriger, vor allem, wenn es auf beiden Seiten gleich schlecht ist.
      Vielleicht wurde auch was an der Dämpfung geändert, beim Umbau auf 25kg höheres Gewicht.
      Müsste man sich anschauen, denn es lässt sich aus der Ferne nur schwer was Vernünftiges zu sagen.
      Macht's auch nicht einfacher, dass nicht klar ist, um was für ein Gabelmodell es sich handelt (wuddy hatte es ja bereits angesprochen) oder in welcher Mopete sie verbaut ist.
      Eine 4860 kann eine OC, CC, Xplor usw sein
      Probleme mit dem Fahrwerk? Fahr' schneller!

      Ich bin Bayer und damit von Haus aus schon mal viel cooler als du.
      Wie oben schon erwähnt würde ich bei den Gleitbuchsen anfangen zu suchen. Kann ja sein, dass diese unrund gequetscht wurden bei der Montage. Oder ev. sind die Gleitbuchsensitze auch unrund? Und das mit der nicht spieglblanken Chromschicht, respektive „anhonen“ der Oberfläche ist von bekannten Fahrwerkern gängig. Die DLC oder Tialn Beschichtung wird nicht von allen Fahrwerkern als Allheilmittel gesehen, weil zu glatt. Ich hatte mit der 990SMR, mit TiAln Beschichtung aber ein richtig geiles Losbrechmoment.
      Gruss AirfoX
      Zuviel Weihrauch schwärzt den Heiligen. Richard David Precht

      frezno schrieb:

      .
      Macht's auch nicht einfacher, dass nicht klar ist, um was für ein Gabelmodell es sich handelt (wuddy hatte es ja bereits angesprochen) oder in welcher Mopete sie verbaut ist.
      Eine 4860 kann eine OC, CC, Xplor usw sein


      EXC 450 / 2008 WP 4860 MXMA PA also open cartrige
      Buchsen und Sitze sind rund und unbeschädigt

      ich hab die Gabel auseinander und die Druckstufe draußen

      Christ 32 schrieb:

      ...
      Wenn ich Kriechöl an die Gleitrohre sprühe spricht sie sofort spürbar besser an, nach ein paar mal einfedern wird das Ansprechverhalten aber schnell wieder schlechter.
      Momentan fahre ich mit komplett offener Druckstufe, wenn ich die Druckstufe ein paar Klicks zudrehe verschlechtert sich das Ansprechverhalten weiter.


      Die Aussage mit dem Kriechöl irritiert mich, hätte eher eine hydraulische Ursache vermutet. Mit Kriechöl (WD40???) verschlimmbessert man vieles. Es spült echte Schmierstoffe aus und hinterlässt einen sehr dünnen Ölfilm, der verdunstet. Einige Gummimischungen lassen sich mit WD40 anlösen und werden eher klebrig/haftfähig, wenn das WD40 verdunstet oder im Gummi eingezogen ist. Nimm lieber ein geeignetes Fett oder Gabelöl für solche Versuche.

      Zum Polieren oder Kreuzschliff. Im Kolben / Zylinder haben wir zwei harte Materialien die auf Ölfilm angewiesen sind. --> Kreuzschliff
      In der Gabel haben wir teflonbeschichtete Buchsen und Gummidichtungen. Ein Kreuzschliff ist imho nicht nötig, habe gute Erfahrungen mit polierten Gabelinnenrohren und Kolbenstangen gemacht. Wenns blöd läuft, baust du eher eine Art Feile die das Teflon und Gummi abkratzen.

      Der ultimative Test, ob die Ursache hydraulisch ist oder an den Führungen was nicht stimmt, wäre alles Öl ablassen. Wenns dann noch hakelt, liegt es wirklich an den Führungen (eher selten, hatte ich noch nie!).
      Läuft es ohne Gabelöl gut, hast du miese Shimabstimmung oder mechanisch nicht korrekt arbeitende Ventile oder ähnliches --> Hydraulikproblem.

      VG Erhard
      "Sieh dich vor! Der Gewalt fehlt es an Kraft, wenn der Verstand die Oberhand gewinnt!" aus Vier Fäuste für ein Halleluja :huh: http://www.ergraute-enduro-greise.de/

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „erhard“ ()

      Ja klar. Ich habs auch so verstanden, dass der Verdacht an den Führungen liegt.

      Was bei diesem Test nicht zu tragen kommt sind seitliche Belastungen. Wenn man am Stand runterdrückt und die Gabel ca. 25° nach vorne steht, ist das eine andere Belastung, als gerade von Oben.