Projekt CNC Zylinder XT500

      Projekt CNC Zylinder XT500

      Hallo Leute,

      da es hier genug positiv Verrückte gibt, dachte ich mir; ich stell das Projekt mal vor. Gefragt hat man mich in den
      letzten 20 jahren schon des Öfteren, ob ich nicht einen Zylinder für mehr Hubraum und / oder mehr Zugfestigkeit
      im Wandungsbereich entwickeln könnte.
      Das ist aber immer mangels Darstellung der gewünschten technischen Details und auch am nötigen finanziellen
      Einsatz gescheitert. Ich selber hatte über das bloße technische Interesse keinen Eigenbedarf.

      Das hat sich jetzt mit dem Zusammenkommen von mehreren anderen verrückten "Auskennern" und dem
      wiedererwachten Interesse an meinen schlafenden XT´s geändert. Vielleicht bin ich auch in einer kleinen
      Midlife Crisis :) .

      Der Zylinder wird für optimierte und leistungsgesteigerte XT-Motoren von 500 -700 ccm ohne zusätzliche Zuganker etc.
      brauchbar sein. Für den passenden Zylinderkopf in verschiedene Leistungsstufen läuft schon seit geraumer Zeit ein bemerkenswertes
      Projekt im SR500 Forum. So bin auch ich wieder in das Thema reingerutscht. Und weil ich kein Bock auf Gefrickel mit verfügbarem
      Zylindermaterial (Original oder auch mehr oder weniger gut gegossen ) habe..........bin ich jetzt soweit.....
      der nächste große Schritt ist die Erarbeitung des Fräsprogrammes und das bedeutet nochmal richtig Arbeit.
      Aber auch die wird irgendwann erledigt sein und dann denke ich, wird die Fräse mal ein Wochenende "lahmgelegt" :)

      Ich denke, für den ein oder anderen ist es vielleicht interessant, an diesem Projekt teilzuhaben.
      In diesem Sinne.....

      Gruß Kuntzinger








      hier noch eine Variante mit einer Rippe mehr unten am Kettenschacht (reine optische Spielerei zur Wiedererkennung )

      hier noch eine Variante mit einer zusätzlichen Rippe unten am Steuerkettenschacht (reines optisches Geplänkel )

      Aber Denk daran,gezeichnet ists schnell,mach dir Gedanken wie du das auch bearbeiten kannst,mache die inneren Eckradien so gross wie nur möglich,sonst brauchst du überlange Fräser mit kleinem Durchmesser und darfst abzeilen.
      Wo ich bin ist vorne,bin ich hinten,ist hinten vorne

      Weich ist weich und hart ist hart,aber zuviel weich ist auch hart
      :thumb: Hi struppi,
      vielen Dank für Deinen guten Hinweis. Natürlich steht das fertigungsorientierte Konstruieren unter Berücksichtigung
      der Funktionseigenschaften des Zylinders von Anfang an im Fokus.

      Und die Fräse ist schon das eine oder andere Mal für ein Gruppenprojekt (siehe Husaberg ) zum Einsatz gekommen :)
      Einige Husaberg-Freunde werden sich vielleicht noch dran erinnern. Aber oft sind es Gussteile, die auf der Fräse endbearbeitet
      werden. Das sind dann aber größere Serien. Den Zylinder werde ich nach jetzigem Stand nur max. 10 x fertigen. Da werde ich
      die Fräszeiten nicht auf das letzte Quentchen optimieren.

      Aber jeder gutgemeinte Hinweis ist willkommen.
      Schönen Abend noch.
      Gruß Kuntzinger












      KD mit Maschine
      Hallo "wilder" Fräser;

      o.k. jetzt noch Konstruierer!

      An den von Dir eingestellten Bilder kann man noch viele Stellen erkennen die noch nachgearbeit / konstruiert werden
      müssen - vergess auch nicht das dies ein "luftgekühlter Motor" ist; die Versteifungsrippen werden Dir Ärger machen,
      bzw. dem Kolben.

      Ich arbeite (habe gearbeitet) seid ca. 25Jahren mit dem EGU Zylinderrohling; wenn der richtig bearbeitet ist reisst er
      selbst mit 100mm Bohrung und deutlich Leistung nicht ab - leider gab es wohl genügend Gegenbeispiele.

      Viel Erfolg - ich werde Dein Projekt interessiert verfolgen
      Gottfried
      Danke Gottfried, Deine Zeilen habe ich mit großer Hochachtung und auch etwas Ehrfurcht gelesen.
      Dein Ruf ist ja in der Szene wie Donnerhall ! Und den hast Du Dir ,weiß Gott, zu Recht erworben.
      Danke für deine Wortmeldung.

      Du hast vollkommen Recht. Die Konstruktion ist erstmal ziehmlich nahe am Originaldesign angelehnt.
      Die strömungstechnische Betrachtung der Verrippungen und der Versteifungen ist noch nicht wirklich
      in die Konstruktion eingeflossen. Im Rahmen der fertigungsgerechten Optimierung sind da noch einige
      Sachen, die überdacht werden müssen. ( die Versteifungsstege haben schon Luftdurchgänge, die sind
      in den Bildern noch nicht richtig zu sehen )

      Im übrigen weiß ich, dass die von Dir bearbeiteten Zylinder von sehr guter Qualität sind. Ich entwickle auch
      Gussteile, habe deshalb auch wegen der grundsätzlich besseren Kühleigenschaften einer Gussoberfläche an die
      Erstellung eines Gussmodelles für diesen Zylinder gedacht. Ich bin sogar so vermessen, dass ich auf Grund meiner
      beruflichen Erfahrung auf diesem Gebiet, die Überzeugung habe, einen nahezu lunkerfreien Zylinderrohling zu gießen.
      Aber ich koche auch nur mit Wasser und für so eine Modelleinrichtung scheue ich den zeitlichen Aufwand, wenn er nicht
      finanziell darstellbar ist. Jedenfalls war das in der Vergangenheit so.
      Und was mir noch wichtig ist: Den Gusszylinder gibt es ja schon. Das ist Dein Produkt. Du kannst sicher nur zu gut verstehen,
      wie es sich anfühlt, wenn man seine eigenen Vorstellungen zum Erfolg bringen möchte, ohne etwas Existentes nachzumachen.

      Mir ist auch bewußt, dass grundsätzlich eine gegossene Oberfläche bessere Kühlwirkung entfaltet. Das werde ich noch
      auszugleichen versuchen. Die Materialauswahl ist auch erst nach reiflicher Überlegung erfolgt...:-))

      Wenn Du möchtest, lade ich Dich ein, begleitender Teil des Projektes zu werden. In einen Wettbewerb möchte ich jedenfalls mit
      diesem Projekt mit niemandem eintreten.
      Die CAD-Konstruktion könnte aber eventuell Basis für die CNC Bearbeitung eines Gussrohlings werden, welcher
      als Rohling nur Steuerkettenschacht, Steuerkettenspannerstutzen und die grobe Bohrung aufweist. Das klingt auf den
      ersten Blick vielleicht total bescheuert, ist es meiner Meinung aber gar nicht. Ich spare komplizierten Modellbauaufwand
      bei den Rippen und vermeide so einen Fehlerfaktor. Auch wird dadurch das lunkerfreie Gießen einfacher zu realisieren sein.
      Die Bearbeitungszeit erhöht sich dadurch natürlich beträchtlich.

      Vielen Dank und alles, alles Gute wünscht Dir
      hochachtungsvoll der Kuntzinger (klingt geschwollen, ist aber so gemeint )

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Kuntzinger“ ()

      Dann kannst ihn aber auch gleich fertig gießen, heut zu tage. Ein Frästeil aus homogen gewalztem Ausgangsmaterial hat eine um WELTEN höhere Festigkeit als normaler Schwerkraftguss. Dazu kommt noch, dass eine gute Gießerei, deren Ergebnisse wirklich reproduzierbar sind, garnicht so leicht zu finden, und entsprechend teuer ist. (das wiederum weiß ich von einem gewissen Herrn M. Zoche, als er mir die abgerissenen Zylinder seiner ersten Versuchsmotoren zeigte)

      Bin übrigens sehr gespannt auf die Ergebnisse.

      Gruß
      Hans
      Wie gesagt, dar Einsatz von Gusstechnik (Modell- und Werzeugbau ) ist mir nicht fremd. Aber zu den in der XT Szene
      sicher bekannten Gussteilen von mir (hier mal einige Beispiele), ist ein Zylinder wie dieser eine andere Aufwandskategorie.
      Und das auch dann, wenn man seine Freizeit für das Hobby nicht wirklich rechnet und die Möglichkeiten zur Verfügung stehen.
      Die Zugfestigkeit des Zylindermaterials ist nicht das Hauptproblem. Vielmehr die Entscheidung Nikasil oder
      Einsatz einer Laufbuchse und die daraus resultierenden konstruktiv versch. Lösungen in Abhängigkeit der jeweiligen Vor-, bzw.
      Nachteile.

      Im übrigen finde ich es auch spannend :-))..........insbesondere nach einem Telefonat mit dem Meister aller Klassen pers.






      hier findet man die " XT/SR Kopfarbeitsgruppe "............

      http://www.sr500.de/wbb3/thread.php?threadid=38082

      http://www.sr500.de/wbb3/thread.php?threadid=38721

      aber wie gesagt, wir sind alle irgendwie mehr oder weniger Einzelkämpfer. Jeder entsprechend seiner Möglichkeiten
      auf seine Art.
      Nur der Gottfried hat diesen Motor wohl an all seinen neuralgischen Punkten von Anfang bis Ende durchdrungen und
      ist jetzt O-Ton: "mit dem Thema durch ! " und wundert sich, warum wir nicht mal die Kräfte bündeln. Anstatt immer
      wieder die gleichen Fehler zu machen.....Da hat er sicher Recht.

      Und deshalb, lieber Gottfried, wird's nun doch ein Nikasilzylinder (wer möchte, kann aber in den Rohling auch die gewünschte
      Laufbüchse einziehen lassen ). Deshalb ist meine Materialauswahl nun doch eine andere :) und das Zylinderhemd muß noch
      angesetzt werden.

      Danke für Deine Anregungen, Gottfried. Und auch wenn Du an meiner Stelle, den Aufwand für ein anderes Projekt betreiben würdest,
      ich muß das jetzt zu einem Ende bringen. Dein verschmitztes, wissendes Lächeln ist uns allen hier ja sowieso gewiss. Aber dann......:-))

      Ein paar Dummheiten sind ja im Leben erlaubt :-)) In diesem Sinne. Macht mit, macht nach (nur sehr ungern) ,
      machts besser!!!!

      twinshocker schrieb:

      Fertig giessen ist bei geplanten 10 Stück wohl eher unrealistisch, die Kosten kommen doch nie mehr rein.

      Wenn Du in eine verlorene Schaumform gießt, geht das sogar für Einzelstücke.

      Und ist die Materialfestigkeit nei einem Zylinder mit ordentlichen Stehbolzen echt ein Thema ?

      Ja, weil die Stehbolzen nicht durchgehen, sondern die Zylinderwand den Zug aufnimmt.
      Andererseits: Wenn der Zylinder dann endlich nicht mehr reisst, kommt das Kurbelgehäuse dran ;(

      Hans
      Hallo Hans,
      die Idee mit dem Schaumstoffmodell liest sich für viele mit der Materie nicht so bewanderte sicher total genial.
      Das ist auch eine gute Idee, wenn alle Rahmenbedingungen erfüllt sind. Und da ist der Aufwand für diesen Zylinder,
      meines Erachtens sehr groß. Die entscheidende Frage ist doch, wie soll das Schammodell hergestellt werden?
      Man kann es natürlich auch fräsen. Das geht sogar schneller und einfacher, als wenn Metalle zerspant werden
      müssen. Ist das dein Vorschlag? Interessant wird es erst, wenn dieser Schaum in eine wiederverwendbare Silikonform
      ( weil die ist relativ einfach am Original herzustellen ) vergossen werden könnte.....(aber Schwindmaß für den späteren
      Guss an wichtigen Stellen beachten ).
      Meinem Kenntnisstand ist dieser Schaum aber nur als Plattenware oder Schüttgut in Kugelform lieferbar. Hast Du eventuell
      einen anderen Kenntnisstand? Würde mich interessieren.

      Hier für alle, die sich da mal kurz informieren möchten. Vieles ist möglich. Aber alles will bis zum Ende durchleuchtet sein.

      http://www.bdguss.de/fileadmin/content_bdguss/Der_BDG/Richtlinien/M_004_E.pdf

      Beim Originalzylinder gibt es das Problem mit der geschwächten Wandung durch das Aufbohren für die größere Büchse , das ist
      ja richtig. Mit den Zugankern und (das ist mindestens genauso wichtig ) der richtig eingepassten Laufbüchse + weiterer mechanischer
      Eingriffe am Gehäuse und dem Zylinder wurde das Rissproblem in der Vergangenheit aber von einigen fähigen Spezialisten
      in den Griff bekommen.
      Ein Nikasilzylinder entschärft das Problem, wenn es ordentlich gemacht ist und wenn dann der Kolben laufleistungsabhängig gewechselt wird.
      ( siehe wartungsfristen bei Sportenduros ) Wenn das Wechseln negiert wird, ist der ganze Zylinder erstmal im Eimer und kann eventuell noch
      einmal aufwendig aufgearbeitet werden.
      Aus diesem Grund wird die Laufbüchsen-Variante ja auch noch von den meisten Alltagsfahrern wegen der einfacheren Reparaturmöglichkeiten
      unter Inkaufnahme der schlechteren Wärmeleitfähigkeit (Stahl-Alu / folglich schlechtere Kühlung = verschenktes Leistungspotential bei getunten Motoren )
      und der Wandstärkenproblematik aus Praktikabilitätsgründen bevorzugt ( für Serienleistung und dezentes Tuning auch völlig ausreichend ).

      So, das war`s von meiner Seite nochmal dazu.
      Grüße und schönen Tag
      wünscht der Kuntzinger

      Kuntzinger schrieb:

      Aus diesem Grund wird die Laufbüchsen-Variante ja auch noch von den meisten Alltagsfahrern wegen der einfacheren Reparaturmöglichkeiten
      unter Inkaufnahme der schlechteren Wärmeleitfähigkeit (Stahl-Alu / folglich schlechtere Kühlung = verschenktes Leistungspotential bei getunten Motoren )
      und der Wandstärkenproblematik aus Praktikabilitätsgründen bevorzugt ( für Serienleistung und dezentes Tuning auch völlig ausreichend ).

      Aus den in letzter Zeit gemachten Erfahrungen:
      Laufbüchsen sind offenbar wieder ein Thema, zumindest werden solche von einem großen Ami-Autozulieferer (der auch Hauptsponsor eines tollen Enduro-Spektakels im östlichen D ist :P ) hergestellt.
      Woraus die Buchsen genau sind ist mir nicht bekannt nur, dass sie gesintert werden. Ein paar dieser Buchsen laufen wunderbar in den alten Husky-4-Taktern. Der Vorteil ist, man braucht keinen Beschichter.
      AFAIK sind diese Buchsen aber noch nicht für die Serie freigegeben.
      Wer nichts weiß muss alles glauben
      Das mit dem eingeformten, und draufgegossenen Schaummodell weiß ich von einem Spezi und seiner Vorkriegstriumph. Der originale Graugusszylinder war so oft aufgebohrt, dass er mittlerweile bei 500ccm war, und beim Anziehen der Stehbolzen Stauchfalten bekam... Das Schaummodell wird direkt 3D-gedruckt, ich glaub sogar dass das die Gießerei macht. Bei Bedarf frag ich den Spezi nochmal, wo er das hat machen lassen. Anschließend Nikasilbeschichtet bei Rittberger Motorentuning, und einen PKW-Kolben verbaut. Irgendwo muss man ja sparen. Der Guss mit Formherstellung hat das Gleiche gekostet wie die beschichtung, nur das CAD-file hat er selber gemacht.

      Gruß
      Hans
      Du kannst auch direkt die Formen (Sand) inkl. Kernen usw. Drucken lassen.

      Wenn du dich für Laufbuchsen entscheidest, könntenst du mal in Bingen bei Pro-Vision anfragen ob die dir die Zylinder - Rohlinge gießen.

      Die sind auf Kleinserien spezialisiert.

      Wegen der Legierung:
      Ich muß mal in meinen Unterlagen kucken. Da hatte ich mal eine gute Legierung, die eine sehr gute Kalt und warmfestigkeit sowie eine ebenfalls außerordentliche Wärmeleitfähickkeit hatte. Also immer rechts im Diagramm kucken was bei 180° passiert.
      Allerdings ist die Bearbeitung etwas schwerer.

      Ich hatte die mal vor Jahren für Dieselköpfe nehmen wollen. Aber als die ersten Teile über die bestehende Linie gelaufen sind, war schnell klar dass wie Kapa der Linie um 30% sinken würde. Das war dann das Aus für das Projekt.
      Die paar köpfe die wir dann tatsächlich gemacht haben (10 - 15) waren aber schon geil was die Belastbarkeit angeht.