Irgendwann mal .....

  • Damit jetzt nicht jeder glaubt ich war, oder bin einer der allerweltbesten Motoalpinisten, ich verbocke schon auch regelmäßig was, und teilweise sehr peinliche Sachen:




    Wollte in dem Kaff in dem meine damlige Freundin zur Schule ging, mit meinem Trialhobel aufm Lungo Lago einen auf super duper Coolenmaxi machen.


    Ich auf engsten Raum mit dem Bein innen abgestütz, die Karre ziemlich
    schräg angelehnt rumdriften lassen


    dengste, aber sauber!


    Der Reifen kriegte 1000% Gripp (wusste bis dahin gar nicht das das möglich ist)
    haut mir das kurven äussere Bein weg, dann stellte sich die Grattn auch noch aufs
    Hinterradl.


    Ich hab den Lenker noch in den Händen und lasse was weis ich
    warum nicht los, der Hobel gaast mir zwischen den Beinen durch das dir schwindelig
    wird, und am Drehpunkt vom Lenker, ausgestreckte Arme mit
    "Eisenfäusten", also in Augenhöhe fängt die Gurke an einen Salto einzuleiten.


    Ich habe dann losgelassen, und das Gerät überfliegt mich und schlägt wie eine Granate hinter mir ein.................!


    Schepperklongkrach, ähnlich wie wenn eine Motorschutzplatte bei einer Stufe an den Fels kracht!!!


    Und, ALLE, aber auch ALLE haben es gesehen, die Köpfe in den Bars, Pizzerien, Ristorantes,
    Trattorias usw. flogen geradezu in meine Richtung. Es haben sogar die gesehen die es gar nicht sehen durften.


    Aber der Motor lief noch, das verkürzte den Peinlichkeitsmoment enorm!


    Hab mich dann mit dezent zum Hinterrad eingebogenen,
    und an dem selben schleifenden Auspuff von dannen geschlichen..........das
    nenne ich dann Schleichfahrt, wobei ich das Wort eher für vorbei fahren an
    Polizeigegäuden u. dgl. verwende.


    Bis ich die knapp 8 km zu Hause war, war fast der Dämpfer durchgeschliffen
    und der Reifen an der rechten Flanke sauber angekokelt.


    Das Aufschweissalublech auf der Auspuffinnenseite erinnert mich noch heute
    an einen meiner glorreichsten Motoalpinistenmomente.


    Aber das schlimmste war, das allerallerschlimmste, zum tiefsten im
    Boden versinken war:


    Bevor ich oben war und an den Kühlschrank schleichen konnte um mir eine
    echte Frusthoibe reinzupfeifen, wusste es meine kleine Italienerin............ :D

  • Ein hab ich noch.


    Es war der Erste Januar 2002,


    das weis ich deswegen so genau weil ich vom Lungo Lago Geldautomaten kam die ersten Euros holen.


    Ich gase ordentlich zwischen den alten Gassen des verkaterten Orts nach oben an und schau diesen und jenen Abzweig so Pfadfindermäßig an.


    Wie ich dann oben bin eiere ich vor lauter uninspirierter Langeweile noch ein bisschen im terrassenförmigen Weingarten und Olivenhain vom Exschwiegervater rum.


    Hüpfe dann noch die eine oder andere Stufe runter,


    und beim -letzten- "Hupfa", genau im dem Moment wo ich mit beiden Rädern in der Luft war (denk ich mal) geht der Motor aus.


    Ich bin eingeschlagen mit dem Lenker das es eine wahre Freude war, aber viel schlimmer war, dass mir die Hausdamen, drei an der Zahl, fröhlich zugrinsten


    .....ein echtes.....


    ....DON CAMILLO Grinsen!

  • Ostern 94


    Norditalien



    Lago di Garda




    Tremalzo




    Rifugio Garda,




    Wetter


    welches Wetter?


    dezentes Schneetreiben, diesig, kalt,


    aber die Frisur hält.


    Streckenzustand: erbärmlich,


    welche Strecke?


    Ab dem Scheiteltunnel die Nordflanke die X Kehren runter
    bis zum zweiten Tunnel ist wegen dem Schnee
    keine Piste mehr zu sehen. Die Piste war unter einer 1-6 Meter tiefen
    Schneeschicht verborgen.


    Frage an die Passauer Gruppe von mir , "umdrehen oder weiter" wurde
    mit einem sinngemäß beherzten: "Wie sind ja nicht zum Spaß da"
    beantwortet. Also Attacke, wir haben uns dann erstmal einen
    "Singeltrail" oder besser gesagt eine Spurrille/Leitschiene in die
    vereiste Oberfläche reingetreten oder eher mit den Stiefelabsätzen gehaut.


    Uns wurde dabei auch ganz schön warm.


    Dann wurden die Mopeds wegen der latenten Absturzgefahr mit zwei bis drei Helfer
    direkt am Moped drann runter gefahren, eher gerollt mit Allrad.


    Ich sags euch, daß lässt sich super fahren wenn
    nicht permanent antizyklisch zur Fahrdynamik die Kraftimpulse auf Eis von drei
    Helfern kommen, das war übrigens eher ironisch gemeint!




    Im Prinzip ist die weitere Erklärung des Geschiebe, fast
    Abstürze, Gezerre, Schnee in die Fresse vom Hinterrad abbekommen usw. nicht
    wichtig, fast jeder wird sowas kennen und wir haben es ja geschafft, auch wenn
    uns nichts anderes übrig blieb weil wir wären am "Tremalzo"
    wahrscheinlich nicht mehr raufgekommen.




    Zeitsprung, "gefühlte tausende Stunden später.....",


    wir waren den zweiten Tunnel durch, auf der Südseite, dezente Wetterbesserung,
    Schneetreiben wurde Schneeregen...., sportliches Angasen runter zum Passo Nota,
    da ja bei dem Wetter "garantiert" nicht mit Gegenverkehr zu rechnen ist,
    volles Anblasen, jeder gegen jeden............

  • Zeitsprung.....wo ;)


    Zeitsprung:


    "gefühlte tausende Stunden später.....",


    wir waren den zweiten Tunnel durch, auf der Südseite, dezente Wetterbesserung,
    Schneetreiben wurde Schneeregen...., sportliches Angasen runter zum Passo Nota,
    da ja bei dem Wetter "garantiert" nicht mit Gegenverkehr zu rechnen ist,
    volles Anblasen, jeder gegen jeden............


    Was sehe ich da:


    Da "fahren" gerade zwei Leute und einer geht...................


    ich hatte gerade meinen "Gnädigen" und blieb stehen.


    Motor aus.


    Die Gruppe hinter mir hatte echt was zu tun um uns nicht abzuschießen, was sie auch astrein hinbekommen haben (Das nicht abschießen).


    Es waren tatsächlich drei Leute bei Schneeregen in den Bergen.


    Die mit diesem typischen Kriegsbemalte-Reise-Abenteuer-Zweizylinder-Großhubraum-Enduristen Habitus, ich komm mit meiner Fernstreisekiste, Alukoffern mit beleuchteten Makeupspiegeln, Heizgriffen, beheizten Fußrasten und der klimatisierten Sitzbank mit Massagefunktion und meinen Straßengummis überall hin, und wenn ich sage überall, dann meine ich auch wirklich überall.


    Das ist natürlich die Weltanschauung von Leuten die Welt noch nicht gesehen haben.


    Einschub Anfang: Mich fasziniert das immer ein wenig, da der Faktor Zeit in unserer so arg beschleunigten Gegnwart doch arg vernachlässigt wird. Ähnliches Gedankengut pflegen übrigens eine große Zahl MTBler, zumindest in meinem Heimrevier. Einschub Ende.


    Da krebsten sie nun im warsten Sine des Wortes, bei Schneetreiben und immer schlechter werdender Sicht mit Ihren Wüsteneimern vom Typ Africa Queen und Beemweh, auf ca. 1400 HM der Dämmerung entgegen.


    Die zwei Männer, also diese Maschinenbediener, weil Fahrer konnte man die ja nun wirklich nicht mehr nennen, fuhren ganz heroisch jetzt schon fußelnd auf einer drei Meter breiten Schotterpiste, die im großen und ganzen, und von der Steigung im speziellem, mit einem heckangetrieben PKW befahrbar ist, dem nassen Schnee von ungefähr 0.5 Millimeter Höhe super schneidig, fast schon elegant ausweichend, in etwas weniger wie Schrittgeschwindigkeit, dem Pass in ca. sieben Kilometer Entfernung entgegen.


    Und das um ca. 16 Uhr Ortszeit.


    Einschub Anfang: Bei dem Tempo ist mit einer Ankunftszeit frühestens gegen 20 Uhr zu rechnen, ohne Absturz an der engen Schneerinne. Der Einkehrschwung dürfte mangels Gäste auch schon zu haben. Pro hundert Höhenmeter kühlt es statistisch um ca. 1 ° Celsius ab, die Abkühlung durch die Nacht nicht mitgerechnet. Das heißt, es schneit weiter oben garantiert richtig heftig und unsere Spur ist vielleicht nicht einmal erkennbar. Und wenn sie dann oben stehen müssen sie mindestens auf einer um die Uhrzeit garantiert nicht geräumten Teerstraße runter. Also ich hätte was besseres zu tun, zumindest im Urlaub in Mitteleuropa und um die Uhrzeit. Einschub Ende.


    Bei einem Sonnenuntergangsszenario gegen 18 Uhr.


    Schrittgeschwindigkeit weis ich deswegen noch so genau, weil einer von diesen Männern seine etwas zwischenzeitlich maliziös gewordene Frau hinter sich herlatschend dabei hatte, und diese tatsächlich ZU FUSS zum Überholvorgang ansetzte.


    Also eine Fußgängerin, in diesen Multifunktionsklamotten mit Klapphelm, überholt, mit ihren robusten Motorradstiefeln an den zierlichen Füßen, atomisierte gerade zu zwei äußerst heldenhaft agierende Zweizylinderenduropiloten, auf einer zugegebenermaßen feuchten, aber immerhin gut drei Meter breiten Schotterpiste die auf mehreren kleineren Flecken anfing eine hauchdünne Schneedecke zu bilden.


    Ein Dialog beginnt, der sich ein wenig später hin zu einem Trialog entwickeln sollte:


    Ich (I, mit dem nötigen Respekt und Höflichkeit, aber dezent herablassend): Darf ich euch einen Vorschlag machen?


    Er (E, ziemlich außer Atem und unter Umständen ein wenig angenervt): WAS?!?!?


    I (tiefenentspannt, aber noch ein wenig herablassender): Ich empfehle euch da nicht weiterzufahren, in 6 km kommt so viel Schnee, das wird nicht gehen.


    E (im Prinzip voll angepisst das ein Klugscheisser wie ich, einem wie ihm eine Empfehlung ausspricht die seine [bröckelnden] Kompetenz bei seiner Frau voll in Frage stellt): Ihr kommt ja sogar von oben also was solls? WIR waren schon in der Sahara, und den Chaberton haben wir auch schon "geschafft.........."!!!!!!! (leicht entrüstet)


    I (eher beiläufiger, aber es hörte sich eher an wie weniger Druckreife Wörter für Körperöffnungen) : Ich war auch schon in der Sahara, und den Chabi mach ich in 12 Minuten ab Fenils. Das ist hier ehrlich gesagt, mit den "Eisenwarzen" der BMW heute für euch nicht zu schaffen, auch wenn die Spur von uns drinn ist, Ihr müßt Bergauf mit euren Reifen, ist da vielleicht ein Problem mit der Traktion, Seitenführung usw.. Vom Absturz ist da noch gar die Rede.


    E: (Absolut beratungsresistent, taff drauf und jetzt erst recht zu allem entschlossen) Nein wir fahren da rauf.......


    Sie (Nachdenklich, etwas tröstend und einen Hoffnungsschimmer erkennend dieser bescheuerten Situation zu entkommen): Ich denke die Herren könnten wissen was Sie da tun und sagen!


    E (Noch entrüsteter, fast schon hysterisch): Halt die Klappe


    I (Jetzt sehr süßelnd und fast schon ein wenig devot): Sehr verehrte Dame, es währe mir eine Ehre Sie nach Hause zu fahren (Sie sah auch etwas derangiert noch ziemlich hasig aus)....., ich hatte für Transportprobleme dieser Art Soziusfußrasten auf meiner Husky 360 CR .....welch ein Frevel.


    E: Wenn Du das machst...... (Drohung unverhohlen )!!!!!!!!!!!!!!!!!!


    I (zur hinterherlatschenden Dame, sehr sehr höflich): Wie lange wollen Sie denn noch gehen, wenn die Herren schon jetzt fusseln? (Leicht diabolischer Anflug meinerseits)


    S (jetzt sehr bestimmt), eher Eiskalt: Ich fahr mit dem mit (also mit mir)


    I (in super duper mega giga peta dolce): Lady, es ist mir eine Ehre. Halten Sie sich fest, rutschen Sie gscheid auf!


    Und ich habe mir gedacht: "Dir besorge ich jetzt den Ritt deines Lebens, deinem Freund kannst Du zuhause erzählen wo die Ritterkreuze wachsen" :thumbup:


    Demnächst geht's weiter..............

  • Das schlimme ist, irgendwie kann ich "E" verstehen...


    Bei völlig anderer Situation hab ich es seinerzeit zu Beginn meiner Offroad-Ambitionen (ebenfalls aufgrund totaler Beratungsresistenz) geschafft, mit meiner TT600 Auf einen Tagesschnitt von ca. 4-6 kmh zu kommen...


    :kuck: :doof: :whistling:

    "Ein Kuhschwanz wackelt auch und fällt nicht ab!"

  • Ich kenn, oder kannte das natürlich auch von mir, so ist das nicht. Mein Rekord war mit meiner Oaschbagga mal ein 0,8 km/h Schnitt über 5 Stunden, aber das ist eine Ganz andere Geschichte die ich unten reinkopiert habe. Ich hab das ab da immer versucht ein wenig differenziert und mach das auch heute noch so:


    Also wenn mir einer mit einem "unterlegenen Werkzeug" in meinem Fall jetzt Reiseenduro über FR bis hin zum MTB und mir in meinem Heimrevier erzählen will ob ich das nicht fahren darf/kann/soll/muß, dann habe ich eher ein gepflegtes arschbacken Grunzen dafür übrig, wenn er dann Südschwede ist erst recht.


    Wenn mir aber ein knackiger einheimischer 35er auf einen nigel nagel neuen Trial vom Sembenini am Einstieg vom XY Wegal sagt er wäre grad umgedreht und ich sollte mir das gut überlegen, dann würde ich ihn erst danach fragen wo es gehackt hat, und wenn mir die Stelle absolut unbekannt wäre, mir das wahrscheinlich sehr gut überlegen, aber halt vielleicht trotzdem anschauen was mit dem Weg passiert ist.


    Insofern kann ich die Reaktion von "E" schon nachvollziehen, aber anderseits hatte ich ja auch sieben fett grinsende Zeugen dabei.


    Heute wärs kein Problem mehr, irgendeiner macht immer Bilder, aber damals konnte man die halt noch nicht auf dem Display anschauen! :D


    Nachtrag:




    Wenn mir damals einer gesagt hätte, "Das geht nicht" hätte ich mir gedacht oder sogar geantwortet, "warum, die Streckenbeschreibung stand im Tourenfahrer"! :thumbup:

  • I: Lady, es ist mir eine Ehre. Halten Sie sich fest, rutschen Sie gscheid auf.


    Und ich habe mir gedacht: "Dir besorge ich jetzt den Ritt deines Lebens, deinem Freund kannst Du zuhause erzählen wo die Ritterkreuze wachsen"


    Attacke.............erstes leichtes Anrollen,


    die Lady wurde etwas steif,


    halbes angasen,


    sie rückte etwas näher,


    volle Fahrtvoraus,


    geil anbremsen, Drift um die Kurven und Kehren, dezentes Vorderradsteigen am Kurvenausgang (zu zweit kann das jeder),


    Schlagzahl erhöhen,


    die etwas längeren geraden voll Stoff und die 360er CR ging gemein gut,


    leichtes Wheelie fahren halben Meter am Abgrund, .............usw..


    Die Lady war sichtlich beeindruckt.


    Meine Frisur hatte auch gehalten! Bis Passo Nota, an der Feuerstelle:


    Kurze Rauchpause und Beratschlagungsgespräch mit der Lady, ob wir warten weil die sowieso eh umdrehen oder ob ich Sie über Passo Guil runter über Pregasina nach Arco heimfahren sollte.


    Nebenbei haben wir uns, also die Passauer und ich sauber lustig über unsere Helden gemacht.


    30 min. später, also die brauchen 30 min. für geschätzte 3 max. 4, vielleicht auch 5 km, sehr dezente Motorengeräusche, diese typische BMW pfurzln im Schiebebetrieb (wahrscheinlich hätten sie noch am liebsten das Standgas runtergeschraubt weil sie gefühlt mit Warp 2 unterwegs waren), stoßen sie zu uns, ziemlich angeranzelt.....und einer von Ihnen besteht ultimativ darauf das die Lady jetzt bei Ihm aufsteigt.


    Was sie dann leider auch gemacht hat.


    Gute drei Monate später in der Pension meiner damaligen ital. Freundin habe ich von Endurofahrerstammkunden aus dem Spätzleland erfahren, daß die Lady die Scheidung eingereicht hatte.


    Und die Geschichte machte angeblich so die Runde: Die die mir das erzählt haben, kannten um drei Ecken -die- Abenteuerenduristen mit Dame, in der langsam zersplitternden Enduroszene (die einen sind von den, ich nehme mal für solche Enduros als Sammelbegriff, XT´s und den Ténérés auf die schwereren Abenteuer Enduros oder Desertbomber umgestiegen, die anderen auf leichtere Enduros bis hin zur Wettbewerbsenduro und ein paar fahren halt heute noch Xt´s und Ténérés) kannte man sich halt, noch dazu wenn man aus der selben Ecke kommt.


    Und da die, die mir das erzählt hatten bei uns Stammkunden waren haben die sich halt gedacht, daß kann nur einer sein, noch dazu um die Uhrzeit mit Reisegruppe die Nummernschildtechnisch und vom Lokalkolorit was die Aussprache betrifft keine intime Fahrergruppe sein konnte.


    Und so haben sie mir das Ende der Geschichte bei Pizza und Pasta, Vino und Grappa brühwarm verklickert.


    Und falls ich einem Fake aufgesessen sein sollte, eine netter Abschluss ist es allemal, und die Lady hat mich, wenn Sie vielleicht mal wieder ans Mopedfahren denkt nicht vergessen, die zwei Helden garantiert auch nicht, vielleicht hängen sie sogar ab und zu in diesem Forum ab und lesen als gescheiterte FR-User im FR Fred mit! :thumbup:

  • ....Mein Rekord war mit meiner Oaschbagga mal ein 0,8 km/h Schnitt über 5 Stunden, aber das ist eine andere Geschichte......


    Ich wurde da ja gerade zu inspiriert mal ein Gschichdal aus dem Nähkästchen zu erzählen. Und das mach ich jetzt auch, in loser Reihenfolge Geschichten von leichten Buam auf schweren Mopeds und was dazu gehört:



    Es ist ja zwischenzeitlich Mode geworden das Endurofahrer, die eine Tour suchen, danach, oder sogar davor, ihren Anbieter bewerten.


    Ich dreh mal den Spieß ein wenig um, ich erlaube mir mal das Verhalten von zahlenden Tourteilnehmern und den Personenkreis drum herum wertfrei zu beschreiben.


    Ich fang mal mit einen Appetizer an:


    Es wird ja gerne mal kolportiert, das es runter ja quasi immer geht (was ich nicht wirklich abstreite) und dasselbe auch für ausgesetzte Feldwege gilt. Ich nehme mal zwanglos irgendeine Ansage aus den letzten Jahren:


    Original Zitat Anfang von Youfehakit o. s. ä. : Aufiodaobi? - 10. April 2013 - Motorräder und Zubehör…. "Runter geht's ja immer irgendwie und wir wollen unsere Mopeds doch lieber arbeiten als rollen lassen……" Original Zitat Ende. Der werte Leser kann sich diesem Beitrag ohne große Probleme im WWW selber auf den Bildschirm zaubern.


    Aber nun zum Wesentlichen:



    Ich hatte mal die zweifelhafte Ehre die eine oder andere vermeintliche Größe des deutschsprachigen Offroad-Journalismus kennenlernen zu dürfen.


    Der eine oder andere von diesen werten Herren schreibt auch Bücher, und ein intimerer Kreis aus diesen illustren Teil von Honoratioren macht auch Veranstaltungen.


    Man hat ja, wenn man deren Geschriebenes so liest, sehr oft den Eindruck, die müssten eigentlich so richtig wissen wo der Hammer so hängt, aber zumindest über das was sie beruflich zum Zwecke des Broterwerbs so schreiben den finalen Überblick haben.


    Da früher auch genaueste Streckenbeschreibungen veröffentlicht wurden, die ich teilweise höchsterfreut nachfuhr und auch Mopeds getestet werden, und viele Leute sich nach deren Empfehlungen richten, so nach dem Motto: „Du, hast Du den Bericht über die ABC in der XY Gazette gelesen, dass die sich richtig geil im schwierigsten Geläuf fahren lassen soll….“ entsteht mit der Zeit also der Eindruck, das sind mindestens Halbgötter des Offroad, und wenns dafür dann noch nicht ganz reichen sollte, wenigstens auf den Weg in den Olymp des Geländesports.



    Einschub Anfang: Mitte bis Achtzger wurde ja Enduro fahren so richtig Mode, der Hype war echt der Hammer, Paris – Dakar war der aller letzte Schrei, jeder wollte in die Wüste, die Moped Zeitungen damals fünf an der Zahl überschlugen sich vor Enthusiasmus. Es wurden Bücher geschrieben, Reportagen gemacht und Heute absolut undenkbar: detailierte Streckenbeschreibungen!

    Ich habe sie quasi gefressen, und natürlich nachgefahren. Und dann passierte es halt mal, super Streckenbeschreibung, nachgefahren und am persönlichen „point of no return“ weitergefahren, da hätte auch keine Warnung geholfen, wir waren einfach heiß wie Lumpi, und dann das Volldesaster, schaler werdender technischer Singeltrail, mit Kehren, ausgestzt, verblockt, schräg am Hang, machen wir es kurz, fast alle möglichen Schweinerein. Für gut 5 km runde 4 Stunden gebraucht, im Hochsommer, in Lederkombi, mit Gepäck, mit 3 Bar Luft in den Reifen, natürlich mit Vollgetankter Reiseenduro und fast nix zum Trinken dabei.. danach in der nächsten Ortschaft, das Maisel Weizen……..es war göttlich! Und wir dachten, der, der das geschrieben hat, der muß fahren können wie ein junger Gott.

    Die ganze Leidensgeschichte:


    Demnächst in diesem Kino....... :D

  • Und wir dachten, der, der das geschrieben hat, der muß fahren können wie ein junger Gott.


    Die ganze Leidensgeschichte:


    Auch auf die Gefahr hin das ich mich wiederhole, und für die, die das Gschichtal weiter oben schon gelesen haben, einfach ein Stück bis nach dem Zitat runterscrollen.


    Ich hatte also oben näher beschriebene Streckenbeschreibung im Kopf und hab dann meinem Tatendrang freien Lauf gelassen:



    Resümee nach dem wir es überlebt hatten, nie wieder, ich hatte so eine "Posttraumatische Belastungsstörung", das ich erst gute 10 Jahre später einen neuen Versuch startete. Freesolo auf der Trial habe ich geglaubt den Weg gibt es nicht mehr. Ein Blick auf die Karte zur Vergewisserung sagte mir aber unmöglich, Du bist den gerade runter und wieder rauf. Basta. Einschub Ende.


    Ich hatte also irgendwann mal die Ehre so Halbgötter aus dem Garten Eden des Endurismus kennenlernen zu dürfen. Einer davon blieb mir sooo richtig in Erinnerung, die anderen sind nicht mal der Rede wert, so „sub omni canone“ sind die unterwegs.


    Um nicht immer von ihm, er, dem, dieser usw. fabulieren zu müssen gebe ich der lieben Einfachheit dem Herren mal einen Namen, der aber rein erfunden ist: Man könnte ihn Fritz Remer nennen, oder meinetwegen auch Speedy Gonzales, ich nenne ihn halt Thomes Trekman, wem das TT nicht passt kann, nimmt halt meinetwegen ein DD wie Damal Deichmann oder Donald Drosman.


    Demnächst geht's weiter.....

  • Hi, ich werfe mal dazwischen, das mir die tage wieder ne gegend einfiel, wo du dich auch noch austoben könntest. lago di sambuco, dann rüber zum nufenen oder in die sackengassentäler die von domodossola dort hoch kommen. am sambuco habe ich mal oben im busch genächtigt.


    georg

  • Moin Moto. Kannst du mir mal bitte ne PM schreiben?
    Ich hätt ne Frage zu ner alten GasGas Trial (BJ 1998). Du hast doch auch so alte Dinger?

    Wenn man denkt, ne 500er hat noch Kompression und nicht weiss wie das ist wenn die wirklich Kompression hat
    könnte das sein, das man denkt, die hat noch Kompression, obwohl die in Wirklichkeit nicht wirklich Kompression hat! Zitat: mtec

  • Moin Moto. ...
    Ich hätt ne Frage zu ner alten GasGas Trial (BJ 1998). Du hast doch auch so alte Dinger?


    Ich hab eine 96er 270 JTR und eine 97er 320 JTX, und hatte von 97 bis 02 eine 96er Pampera 370 und 03 bis 07 eine 03er TXT 280.


    Ich kann also nicht garantieren das ich zu einem 98er Modell viel berichten kann. Ich weiß nur, das die ab Mj. 98 den Alutank mit 20 % weniger Inhalt montiert hatten. Ansonsten wurden sie etwas direkter in der Gasannahme, und soweit ich mich erinnere der Rahmen etwas zierlicher und die Plastiks etwas schmäler.


    Wenn Du mit den Dingern so richtig Trial fahren willst bin ich auch der Falsche, da ich für echtes hard core Trail zu talentfrei bin.


    Solltest jetzt trotzdem eine Frage haben, sehr gerne.

  • Hi, ich werfe mal dazwischen, das mir die tage wieder ne gegend einfiel, wo du dich auch noch austoben könntest. lago di sambuco, dann rüber zum nufenen oder in die sackengassentäler die von domodossola dort hoch kommen. am sambuco habe ich mal oben im busch genächtigt.


    georg


    Geile Gegend (war ich mal vor über 20 Jahren dort, ist mir aber zu weit und zu lang zum Fahren. Aber herzlichen Dank für den Tipp, mich hat sogar mal ein Italiener über YT dorthin zum Motoalpinieren eingeladen, aber weist ja vielleicht selber wie das so ist im Alter, wie schmeckt der Wein dort?, gibt's "gscheide" Einkehrschwünge? und bist dann so einen Landstrich richtig im Griff hast von der Orientierung, da vergehen Jahre..... ;)

  • Hi, ich werfe mal dazwischen, das mir die tage wieder ne gegend einfiel, wo du dich auch noch austoben könntest. lago di sambuco, dann rüber zum nufenen oder in die sackengassentäler die von domodossola dort hoch kommen. am sambuco habe ich mal oben im busch genächtigt.


    georg


    solche Ortsangaben sorgen sicher für Belebung der Gegend. Vlt. sollte man dort gleich mal nen Einkehrschwung aufmachen mit kleiner Werkstatt. Oder nen Polizisten zusätzlich........

    Gruß engl


    Ich und Du, Müllers Kuh, Müllers Esel...


  • glaub ich nicht engl. die säcke werden immer älter, die jungen können nicht ohne uschi am lenker. und es gibt keine einkehrschwünge.... halt eher soone gegend für mich....
    und, ob ich da noch mal hinkomme..???


    georg

  • Um nicht immer von ihm, er, dem, dieser usw. fabulieren zu müssen gebe ich der lieben Einfachheit dem Herren mal einen Namen, der aber rein erfunden ist: Man könnte ihn Fritz Remer nennen, oder meinetwegen auch Speedy Gonzales, ich nenne ihn halt Thomes Trekman, wem das TT nicht passt, nimmt halt gedanklich einen anderen, meinetwegen ein DD wie Damal Deichmann oder Donald Drosman.


    Ich lernte also diesen Herrn Trekman durch ein paar Zufälle die das Leben so spielt in seinem angeblich ureigensten Metier, also dem Endurofahren (wenn ich mich recht erinnere ist aber Herr Trekman gelernter sozial dipl. Psycho oder so etwas in der Richtung) kennen. Thomes war damals ein für seine Verhältnisse ein verdammt selbstsicherer jüngerer Mann und wir waren sehr schnell beim DU. Da wir über die Husky Tester Schiene zusammen kamen gab das natürlich den Ausschlag für vermeintliche, oberflächliche, oder besser formuliert, scheinheilige Vertraulichkeit.

    Im Prinzip brauchte er mich halt nur dafür, um nicht denken zu müssen und um sechs Seiten vierfarbig voll zu machen, dazu ein Moped für Lau und das passende Gelände, am besten auch für Lau, um seine Kostennote für das Geschriebene dem Verlag schicken zu können.

    Für ersteres hatte er wirklich genug Konnekdschns, fürs Zweitere auch, und fürs Dritte brauchte er doch glatt jemanden wie mich. Der, der mit angeblichen selbsterfahrenen Insiderroutentipps am Lago im Tourenfahrer Kohle scheffelte. Mich machte das irgendwie etwas stutzig.

    Auf jeden Fall hatte ich das Glück den Mann kennenzulernen von dem man glauben könnte er hat es drauf, also das mit dem Wasser in Wein verwandeln.

    Und es ging schon gut los, TT hatte sich eine brandneue 360er beim Zimbo zum Testen besorgt um darüber in einer der führenden deutsch sprachigen Gazetten zu schreiben und den Text natürlich einer Zweit-, Dritt- und Siebenundzwölfzigverwertung zuzuführen.

    Ich innerlich fast vor Spannung zerplatzend, was dieser Heroe des Endurismus mit diesem Ding gleich anstellen wird, im Prinzip war ich auf eine Lehrvorführung in Sachen Motoalpinismus gefasst, aber eigentlich noch mehr auf sowas wie Enduro WM-Niveau, mindestens im sehr gepflegten Mittelfeld.

    Dann die erste Enttäuschung, die ich aber einer großzügigen und weisen Güte zuordnete, weil die Bitte von TT vorgetragen wurde, es erstmal etwas langsamer angehen zu lassen, da ja das Moped nagelneu sei und sie schließlich ein wenig eingefahren werde sollte.

    Und so nudelten wir nun etwas unterhalb der Standgasdüse einen halben Tag in meinem Heimrevier auf Autobahn ähnlichen Schotterpisten rum.

    Bei den Photopausen fragte ich zwischendurch ob er das, dieses oder jenes kenne, was bis auf die ganz bekannten Ecken immer verneint wurde. Ich fing so langsam zu grübeln an ob da überhaupt derjenige vor mir steht, den er vorgibt zu sein.

    Einkehrschwung mittags in der Hoffnung meinerseits es Nachmittags etwas flotter und auch enger laufen zu lassen, im Sinne von, man könnte ja auch hochschalten um so eine 360er nicht zu hoch drehen zu müssen während der Einfahrphase; so eine 360er fährt immerhin „gute hundert“ auf der Standgasdüse, und ich weis von was ich spreche; um der Leistung des Fahrzeugs wenigstens annähernd gerecht zu werden, und es sehr gerne auch etwas delikater anzugehen um die Qualitäten der 360er in engen, knackigen Geläuf ein wenig auszuarbeiten.

    Ein auf dieses Ziel gerichtetes Gespräch zu Tisch atomisierte diese Hoffnung zusehends mehr. TT wollte nun auf der Straße „heimfahren“. Schockiertes Schlucken meinerseits, das war also der Mann, in der Blüte seines Lebens stehend, von dem ich glaubte er könne mit einer Enduro übers Wasser fahren und bekommt dabei nicht mal nasse Stiefel.

    Aber TT konnte das noch locker toppen, beim „heimfahren“ an diesem Nachmittag zerstörte er ganz souverän mit gekonntem nonchalantem und permanentem Schiebebetriebfahren über knapp 1500 Höhenmeter bergab den nagelneuen 2T Motor der WR 360 Husky. Den Rest erspar ich euch.


    Demnächst geht's weiter....

  • Aber TT konnte das noch locker toppen, beim „heimfahren“ an diesem Nachmittag zerstörte er ganz souverän mit gekonntem nonchalantem und permanentem Schiebebetriebfahren über knapp 1500 Höhenmeter bergab den nagelneuen 2T Motor der WR 360 Husky.


    Den Rest erspar ich euch!



    Zeitsprung!



    Ein paar Wochen später schlug er wieder auf, diesmal mit einer bereits eingefahren 360er und einem Anstandswauwau zur Seite gestellt,
    im Rahmen eines eher intimeren Ausfluges von Freunden der damals ehemals schwedisch, zum damaligen Zeitpunkt frischeren italienischen
    Mopedmarke die ja zwischenzeitlich austriatisiert wurde.



    Wir nudelten ein paar Tage ausgelassen im Heimrevier rum und TT fiel in der Runde nicht gerade durch besondere Darbietungen auf.



    Irgendwann am vierten oder fünften Tag, ich weis es nicht mehr so ganz genau, hingen wir am frühen Abend noch recht zünftig in einer Bar ab
    und gaben uns ausgelassen den dionysischen Gelüsten hin.


    Bis auf einer.



    Einschub Anfang: Für die Freaks der „political correctness“ unter uns, ja ich weiß das man das nicht machen muss, soll und darf, aber der lieben Vollständigkeit
    muss auch noch erwähnt werden das niemand gezwungen wurde mitzumachen und auch nicht genötigt wurde danach auf dem kürzesten Weg, an der
    Carabinieri Wache vorbei, ins Basishotel zu fahren, natürlich über feinsten Schotter. Einschub Ende.



    Irgendwie war der TT auf einmal anders drauf, ich hab da zufälligerweise relativ gute Sensoren. Allein wie er schon so taff aus dem Laden stolzierte, eher gockelte,
    zu seinen bisherigen Darbietungen auf einem Stollenbehuften Moped stand dieses Verhalten quasi diametral entgegen.


    Naja, vielleicht hat er sich ja doch heimlich sowas wie Mut aufm Klo angesoffen und ich habs nicht mitgeschnitten; es gibt ja so Typen die zum lachen in den Raum
    der Getränkerückgabe gehen; und dann geben sie es sich aber noch eher intravenös, damit man es ja nicht riecht. Vielleicht denke ich auch zu banal, und Trekman
    hat sich was echt geiles eingeschmissen.



    Ich fuhr also als Leithammel; nicht weil ich der Beste im fahren war, sondern eher der mit den allerbesten Streckenkenntnissen; sehr entspannt vor, lupfte übermütig
    am Büro vor den Carabinieri souverän das Vorderradl, was begeistert von den meisten der mir nachfolgenden Gruppe aufgenommen wurde und wir verdünnisierten
    uns sehr lebhaft aus dem Ort an dem sich einige sehr ausgiebig den Bacchanalien zugewendet hatten.



    Wie weiter oben schon, aber eher beiläufig erwähnt, es war jetzt Abend und die Dämmerung brach langsam herein.



    Nachdem wir aus den Ort gefahren waren, und eigentlich wieder „Feuer Frei“ anstand, hatte aber anscheinend niemand so recht Lust am
    Hahn zu ziehen und so nudelten wir mehr oder weniger den sogenannten Hupferweg Richtung Passhöhe.


    Da dort eine Abzweigung war, hatte ich mir mit der Zeit angewohnt dort zu warten.



    Während wir also uninspiriert den Pass auf einer wunderbaren Piste an einem Bachbett mit sehr vielen Kaskaden, noch mehr Wasserdurchfahrten
    und durch wunderbaren Wald rauffuhren, mogelte sich TT langsam hinter mich und fing zum drängeln an.



    Ich weiß noch gut, ich dachte bei mir so etwas wie, der hat er sich doch gar keinen Mut angesoffen oder ist er jetzt extra nüchtern geblieben um
    die vermeintliche Gunst der Stunde auszunutzen? Es scheint fast so, wie wenn sich der Thomes Trekman zum wüsten Fahrer metamorphosiert hätte.
    Gut dann nehmen wir halt den geworfenen Fehdehandschuh an, das wäre ja gelacht.


    Demnächst geht's weiter.......

  • Ich weiß noch gut, ich dachte bei mir so etwas wie, der hat er sich doch gar keinen Mut angesoffen oder ist er jetzt extra nüchtern geblieben um die vermeintliche Gunst der Stunde auszunutzen? Es scheint fast so, wie wenn sich der Thomes Trekman zum wüsten Fahrer metamorphosiert hätte. Gut dann nehmen wir halt den geworfenen Fehdehandschuh an, das wäre ja gelacht.



    Da es ja dämmerte und der Streckenverlauf durch den Wald führte war es da wo wir uns gerade befanden ziemlich düster und deshalb hatten wir als vorbildliche Verkehrsteilnehmer das Fahrlicht eingeschaltet.

    Wo war ich stehen geblieben, ach ja der wüste Fahrer fing an zu drängeln und wurde immer frecher. Ich nahm halt dann mal notgedrungen aber lustvoll den Fehdehandschuh auf und begann kontinuierlich, aber dezent flotter zu fahren. Ich nutzte immer mehr die vorhandenen natürlichen Gegebenheiten als Anlieger aus, ich beschleunigte früher und begann etwas später zu bremsen, aber immer so, ohne hektisch zu werden.

    Irgendwann wurde das Gas noch etwas länger stehen gelassen, dezent zügiger durchgeschaltet, knackiger die Kurven durcheilt.

    Er blieb dran, die Abstände wurden zwar etwas länger, aber TT hielt sich noch relativ taff.

    Immer weiter die Schlagzahl erhöhen, aber nicht zu heftig, wäre doch gelacht wenn man den TT nicht mürbe kriegt.

    Einschub Anfang: Auf so einer Piste weiß man ja letztendlich nie, ob Dir einer mit demselben Pegel oder mehr, gerade in seinem Quattro per Quattro Panda des Weges kommt und dann vielleicht auch noch vergessen hat das Licht einzuschalten. Einschub Ende.

    Es konnte also auch sein, dass der wüst gewordene TT genau auf so etwas hoffte und mich sehr gerne über die Motorhaube so eines Fiat hätte fliegen sehen.

    Um also den zwangsläufig verlängerten Bremsweg durch bessere Sicht zu kompensieren, schaltete ich jetzt, der TT immer noch mehr oder weniger hinter mir, mein Fahrlicht aus. Aber ohne den zwischenzeitlich anstehenden Grundspeed zu verringern.

    Einschub Anfang: Ich muss dem werten Leser gestehen, das ich ein wenig lichtempfindlich bin und dadurch sehr gut in der Dämmerung und in der Nacht sehe, und die Funzeln Anfang/Mitte der Neunziger an den Enduros waren ja auch eher fürs gesehen werden gedacht wie zu einer anständigen Fahrbahnausleuchtung. Insofern hab ich mir durch diese Handlung das Licht auszuschalten und die Eigenblendung zu verringern einen unlauteren Vorteil verschafft. Quasi meine Geheimwaffe. Einschub Ende.

    Endlich die längere Gerade, kurzen Blick über die Schulter, Thomes ist außer Sicht, jetzt den Teil 2 des Plans durchziehen, voll den Hahn aufziehen und gnadenlos durchschalten und kurz hoffen das nicht gerade jetzt so eine depperte Karre aus Turin mit einem angeschossenen Fahrer vielleicht auch noch ohne Licht daherkommt. Gut gegangen. Jetzt die Schlagzahl eine Zeit halten und aufpassen das ich definitiv nicht mehr in seinem Blickfeld unterwegs bin.

    Einschub Anfang: Einen hinterherhechelnden Fahrer den Blickkontakt zu nehmen ist in meinen Augen bei solchen Kinderfaschingsritualen eines der wichtigsten taktischen Manöver. Warum? Weil die meisten nur das nach machen was der Vordermann so macht und letztendlich bei plötzlichen unerwarteten Gegenverkehr oder einem Hindernis vom „Bremslicht“ des „Gejagten“ profitieren, und somit nicht über die Motorhaube eines Quattro per Quattro fliegen oder einen ungewollten Abflug ins Gemüse machen. Einschub Ende.

    Hat er, also den Blickkontakt verloren. Der Jäger wurde zum gejagten seiner selbst. Ich hatte es ohne zu viel riskieren zu müssen ganz locker geschafft dem wüst gewordenen TT den Blickkontakt zu nehmen. Ich hielt die Schlagzahl hoch, aber nur soweit, wie ich der Meinung war jederzeit auf einen unverhofften Gegenverkehr angemessen reagieren zu können.

    Während ich also mit einen, für den wüsten Fahrer Thomes Trekman, zu flotten Strich den Pass rauffuhr, bastelte ich innerlich schon an seiner totalen Niederlage, oder den ultimativen Teil meines Plans.

    Oben angekommen stellte ich mein Moped vorsichtshalber so ab, dass wenn der TT etwas unkontrolliert um die Kurve käme und es nicht mehr derbremste, das ich halt nicht gerade in seiner vermuteten Einflugschneise stand.

    Jetzt noch schnell aus der Jackentasche das Feuerzeug und einen Tschick aus der Ziggischachtel gezogen, Kippe abgebrochen, das abgebrochene hinter einen Baum geworfen und gewartet.

    Da stand ich nun, mitten im Wald in den Bergen auf einen Pass, einsam, dem Motor lauschend der etwas vor sich hin knisterte, in der Dämmerung. Der, der den TT für einen Enduro Gott gehalten hatte, der aus der großen Stadt kam und bis dahin immer glaubte das geschrieben dieser Leute ist quasi das aller letzte Wort Gottes.

    Götterdämmerung, und die Kippe hätte ich auch nicht abbrechen brauchen.

    Ich hörte ihn also eine vermeintliche Ewigkeit später des Weges kommen. Gemächlich immer lauter werdend, ich zündete mir bevor er es sehen konnte meine abgebrochen Benson mit dem Cartier an, zog ein paar mal ganz cool und blies mit möglichst möglicher Lässigkeit den inhalierten Rauch aus, und wie er, der ehemalige Halbgott, mit seinem Vorderrad knapp einen Meter vor mir zum stehen kam, mit seinen großen Augen ziemlich blöd aus dem Helm kuckend, schnippte ich dem Herrn Journalisten die angerauchte Kippe vor die Füße und labberte was von „….wurde auch mal Zeit, und ob wir hier auf einer Stehparty wären, mir tun die Füße schon weh vom rumstehen, was er sich gedacht hat, da es hier schließlich keinen Einkehrschwung gäbe der die Wartezeit verkürzt, blablabla, usw…usf…etc…..pp…..“.

    In meinen Augen getoppt wurde die Situation dadurch, dass die Ersten vom Rest der Gruppe auch ziemlich zügig, aber sehr entspannt und ausgelassen eintrudelten.

    Resümee: Wens lafd, dann lafds! (Wenns lauft, dann laufts!)

    Aber seine Entzauberung konnte der Thomes noch toppen, und zwar nicht irgendwann mal die nächsten Jahre, sondern innerhalb der nächsten 10, 15 Minuten.


    Demnächst geht's weiter.....

  • man man Alpino,


    hat man dein Zeugs angfangen zu lesen, kann man nix mehr uffhörn,
    verflucht, aber echt klasse ! !


    mach weiter,
    gruß pinko

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